Wohn-Riester – ein neues Immobilienfinanzierungsmodell sorgt für Zündstoff in der Koalition

Der Wegfall der Eigenheimzulage, der einer Familie mit Kind immerhin eine staatliche Immobilienförderung von 16.000 Euro einbrachte, ist ein wesentlicher Aspekt im Hinblick auf sinkende Wohnungsbauzahlen. Im vergangenen Jahr wurden 250.000 Neubauvorhaben realisiert, in 2007 sind es nur noch 200.000, so wenige wie in keinem anderen Land europaweit.

www.easyCredit.deUnd da die Immobilie als Altersvorsorge auch in Deutschland nach wie vor einen der vordersten, wenn nicht sogar den Spitzenplatz einnimmt, plant die Große Koalition bereits seit geraumer Zeit einen Ausgleich für den Wegfall der staatlichen Förderung. Auch der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes drängt die Regierung massiv, neue Anreize für Bauvorhaben zu schaffen.

Im Gespräch ist die so genannte „Wohn-Riester“, die bei CDU und SPD derzeit zu kontroversen Diskussionen führt. Im Prinzip sieht die „Wohn-Riester“ vor, die Beträge, die in eine Riesterrente einbezahlt werden, für die eigene Immobilie zu nutzen. Problematisch hierbei nur die nachgelagerte Besteuerung. Ein Riester-Vertrag heutzutage wird staatlich bezuschusst und kann am Ende des Jahres steuerlich abgesetzt werden. Dafür wird dann später in der Auszahlungsphase nachgelagert besteuert.

„Wohn-Riester“ sieht nun vor, dass bei einem Neuvertrag die staatlichen Zuschüsse zu Riester für eine Darlehenstilgung genutzt werden. Bei bereits länger laufenden Verträgen soll das bis dahin angesparte Guthaben teilweise oder komplett, hierüber herrscht auch noch Unklarheit, zu Finanzierungszwecken, beispielsweise um das Eigenkapital aufzustocken oder eine Sondertilgung zu leisten, verwandt werden. Die CDU tendiert zu einer Entnahmequote von 100 Prozent, die SPD spricht von 50 Prozent. Hier prallen auch die Interessen von Wohnungswirtschaftsverbänden, für die eine Entnahmequote von 100 Prozent ein echter Anreiz für die Wohnungsbauwirtschaft ist, und auf der anderen Seite von Versicherungswirtschaft und Investmentgesellschaften, die in dieser Form ihr Anlagekapital schwinden sehen, aufeinander.

Auch über die Höhe des Betrages, der bereits im Vertrag angespart worden sein muss, herrscht noch Unklarheit. Ferner scheiden sich die Geister in punkto nachgelagerter Besteuerung. Die SPD möchte die Gleichheit zu allen anderen Riesterprodukten wahren und besteht in ihrem „Kanape-Modell“ auf der nachgelagerten Besteuerung, die CDU möchte im Falle des „Wohn-Riester“ darauf verzichten und bringt ihr „Sofa-Modell“ ins Rennen. Was die beiden verschiedenen Modelle besagen, nachfolgend in Kürze: Das „Kanape-Modell“ – Kapitalstock zur nachgelagerten persönlichen Einkommensbesteuerung – sieht vor, dass die Immobilie durch „Wohn-Riester“ steuerlich gefördert wird. Im Alter wird dann der für die Immobilie genutzte Betrag nachträglich versteuert. Berechnungsgrundlage ist hierbei der abgezweigte Betrag zuzüglich Zinsen, der über einen fiktiven Zeitraum von voraussichtlich 25 Jahren verrentet wird. Finanziert werden soll dies laut SPD-Vorstellung durch den Wegfall der Wohnungsbauprämie.

Das „Sofa-Modell“ der CDU – sofort und ohne Finanzamt – streicht zur Finanzierung der Riesterrente (Wohnriester) staatliche Zuschüsse wie Grund- und Kinderzulage zusammen – Experten sprechen von 30 Prozent – und verzichtet dafür im Rentenalter auf die nachgelagerte Besteuerung der für die Immobilie verwandten Beträge.

Da die Zeit drängt – ursprünglich war Wohn-Riester für Anfang 2007 angekündigt – steuern beide Parteien auf eine Kompromisslösung aus beiden Modellen zu. Wie diese konkret aussehen wird, ist noch unklar, schließlich muss auch der Bausparvertrag mit in das Riester-Vertragswerk einfließen. So oder so, der Wohnungsbauwirtschaft in Deutschland kommt „Wohn-Riester“ zugute und sorgt hoffentlich bald für neue Impulse bei den Neubauvorhaben.


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1 Kommentar

  1. Energieausweise, Erbschaftssteuer, Wohnriester — willkommen im Jahr 2008 sagt

    am 23. Januar 2008 @ 20:21

    […] langsam zur Realität, die Immobilie wird durch die Reform der Riesterrente als Variante der Altersversorgung gestärkt. Schauen wir uns die einzelnen Punkte doch einmal etwas genauer […]

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