Kleine Wohnungen gefragt wie nie zuvor – auch bedingt durch Hartz IV

Aktuelle Untersuchungen des Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) prognostizieren einen neuen Trend auf dem deutschen Wohnungsmarkt. Die Nachfrage nach Drei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen geht zurück, gefragt wie nie zuvor sind kleine Ein- und Zwei-Zimmer-Wohnungen. Und gerade hier droht ein erheblicher Engpass auf dem Wohnungsmarkt, wurden doch in den letzten Jahren, in denen vor allem größere Einheiten gesucht waren, vielerorts kleine einzelne Apartments zu großen Wohneinheiten zusammengeschlossen und umstrukturiert.








Woher kommt nun die geänderte Nachrage: Ein entscheidender Punkt ist sicherlich die Einführung von Hartz IV. Hartz IV sieht vor, dass Erwerbstätige, wenn sie mit einem Hartz IV-Empfänger zusammen wohnen, finanziell für diesen mit in die Pflicht genommen werden. Daher entscheiden sich nicht verheiratete Paar in dieser Konstellation häufig für getrennte Wohnungen. Da Hartz IV-Empfänger aber nur eine kleine, günstige Wohnung mieten dürfen, ist der Bedarf an Ein- bis Zwei- Zimmer-Apartments im unteren Mietpreisniveau verstärkt vorhanden.

Ein weiterer Aspekt ist der demografische Wandel. In 2006 sank die Bevölkerungszahl in Deutschland nochmals um 123.000 auf 82,3 Millionen Einwohner, mit weiterhin sinkender Tendenz bis hin zu geschätzten 80 Millionen Einwohnern in den nächsten Jahren. Scheidungen, Trennungen und Auszüge von Kindern führen den Trend zu kleinen Wohneinheiten weiter voran. Aber gerade in diesen Regionen, in denen die Bevölkerungszahlen sinken und bereits jetzt große Leerstandsquoten bei größeren Wohnungen bestehen, ist es für die Bauwirtschaft schwierig, der Nachfrage nach kleinen Wohnungen nachzukommen. Hier findet ein genereller Strukturwandel statt.

Dies belegen auch die aktuellen Zahlen des GdW. Hatten die Unternehmen in 2006 noch eine große Nachfrage an großen Wohnungen voraus gesagt, müssen sie nun ihre Prognosen erheblich zurücknehmen. Sie sprechen alles in allem nur noch von einer Stagnation des Marktes für Drei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen. Für die neuen Bundesländer wird in diesem Segment sogar ein Nachfragerückgang prognostiziert.

Gerade in Anbetracht der demografischen Entwicklung steht die deutsche Wohnungswirtschaft hier vor manch schwieriger Entscheidung, in welcher Form, wie und ob mit dem Um- bzw. Neubau auf die geänderte Nachfrage zu reagieren ist.


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