imakler – der neue Weg Immobilien zu verkaufen?

robert-koning.jpgAls Immobiliensachverständiger bin ich neulich mit einem neuen Dienst (imakler) in der Immobilienwirtschaft konfrontiert worden, dessen Geschäftsidee ich für recht bemerkenswert halte. Gleichwohl kommt eine Zusammenarbeit mit imakler für mich aus strategischen Gründen nicht in Frage. Diesen Kontakt habe ich aber gern zum Anlass genommen, mit dem Geschäftsführer dieses Dienstes, Robert Koning (siehe Bild li.), ein kleines Interview für jabamaro.de zu führen.

jabamaro.de: Herr Koning, der Leistungskatalog von imakler macht einen recht vollständigen Eindruck, wenn es darum geht, Maklerleistungen als Maßstab anzusetzen. Eine der wichtigsten Maklerleistungen muss allerdings vom Immobilienverkäufer selbst vorgenommen werden – die Besichtigung. Wie sichert imakler einen hohen Qualitätsstandard der Beratungsleistungen bei der Ortsbesichtigung ab.

Robert Koning: Eine der so genannten wichtigsten Maklerleistungen scheint eine Leistung zu sein, die nicht gerne in Anspruch genommen wird. Laut repräsentativen Umfragen und Marktforschungen haben 93% angegeben, Besichtigungen lieber ohne Immobilienmakler durchzuführen. Wer kennt Immobilie und Umgebung besser als der Verkäufer selbst. Es schafft viel mehr Vertrauen seitens des Käufers, wenn er Antworten auf Fragen direkt vom Verkäufer bekommt. Oft ist es auch so, dass Immobilienmakler das Objekt kaum oder sogar gar nicht kennen und Verkäufer aus diesem Grund sowieso meistens dabei sind. Nach der Besichtigung übernehmen wir selbstverständlich die Gespräche mit dem Käufer und Verkäufer. Ein Verkäufer kann außerdem jederzeit auf unser Know-how zugreifen.

jabamaro.de: 995,– EUR klingt als Festpreis sehr attraktiv. Dennoch ist die Kritik in der Branche nicht gering, da eine Erfolgskomponente fehlt. Es gibt zwar einen Qualitätsbeweis (Honorar wird erst bei Verkauf fällig) dennoch ist das Honorar nach einem halben Jahr zu zahlen, auch wenn die Immobilie nicht verkauft wurde. Wie wollen Sie mit einem realen Makler konkurrieren. Der Immobilienverkäufer hat dort keine Kosten, sofern sein Objekt nicht umgesetzt werden kann.

Robert Koning: Ganz einfach: Ein „realer“ Immobilienmakler verlangt wesentlich mehr bei einer Immobilie von 350.000,- bis 25.000 Euro und verpflichtet sich leider zu nichts. Wir arbeiten für nur 995,- Euro und dafür bekommt der Verkäufer eine fest definierte und allumfassende Dienstleistung, die wir vertraglich mit ihm fixieren. Wir sind also verpflichtet, unsere Dienstleistung zu erbringen und das bis zum Erfolg. Käufer können unsere Immobilien garantiert provisionsfrei kaufen. Wir verkaufen dadurch bewiesen schneller und erzielen einen höheren Verkaufspreis. Nicht schwer also, damit zu konkurrieren. Immerhin ist es bekannt, dass die Provisionen die Verkaufspreise belasten und genau dem wollen wir vorbeugen.


Banner Immosuche 250x250jabamaro.de: Die Bewertung einer Immobilie ist meist ein komplexer Vorgang und erfordert erhebliche sachverständige Kompetenz. Neben der normalen Wertermittlung sind meist Wertminderungen durch Baulasten, Wegerechte, dinglich gesicherte Rechte in der II. Abteilung des Grundbuches, wie Altenteile, Nießbrauchrechte, Wohnungsrechte, Leitungsdienstbarkeiten oder Erbbaurechte etc. relevant und zu ermitteln. Derartige Gutachten, für deren Richtigkeit ein Sachverständiger mit seinem gesamten Vermögen haftet, kosten mehr als 995,–. Es sind immerhin eine Menge von Recherchen erforderlich. Wie will imakler hier schwarze Zahlen schreiben? Eine überschlägige Bewertung (Kurzgutachten) ist aus o.g. Gründen meist falsch und der Sachverständige haftet dennoch für seine Ermittlungen.

Robert Koning: Ein traditioneller Immobilienmakler empfiehlt, in der öffentlichen Wahrnehmung, zu hohe Verkaufspreise, um seine Provisionssätze in die Höhe zu treiben. Dies war das Ergebnis einer bundesweiten und repräsentativen Umfrage. Wir wollen dem Verkäufer eine objektive und neutrale Verkaufspreisempfehlung geben. Unsere Sachverständigen geben also kein Gutachten ab, sondern führen eine Marktwertschätzung durch. Dieser Wert wird danach von uns mit sehr detaillierten Marktdaten analysiert und ergibt zusammen mit dem durch den Sachverständigen ermittelten Wert eine fundierte Verkaufspreisempfehlung. Der Verkäufer entscheidet natürlich, mit welchem Angebotspreis wir auf den Markt gehen.

jabamaro.de: Kann imakler kompetente Sachverständige gewinnen, welche der vollen Haftung unterliegen und dennoch für ein paar Hundert Euro ggf. falsche Kurzgutachten liefern wollen?

Robert Koning: Siehe vorherige Frage. Wir arbeiten mit über 60 (Tendenz steigend) zertifizierten und/oder vereidigten Sachverständigen zusammen.

jabamaro.de: Wie sichern Sie die Unabhängigkeit des Sachverständigen. Letztlich ist von seinem Ergebnis auch die Verkaufbarkeit des Objektes abhängig. Sie geben zwar eine Preisempfehlung ab, aber diese kann von der Wertermittlung des Sachverständigen erheblich abweichen. Wie können Sie das gegenüber dem Kunden begründen?

Robert Koning: Ein Sachverständiger ermittelt erfahrungsgemäß sehr gute Marktwerte und ist verpflichtet, unabhängig zu arbeiten. Nachdem wir diesen Wert mit Marktdaten und unserem Know-how als Immobilienmakler analysieren, können wir eine optimale und realistische Preisempfehlung abgeben. Wir haben insgesamt (inkl. dem holländischen Markt) für bereits über 9.500 Immobilien den Verkaufspreis ermittelt und erzielen höhere Verkaufspreise als traditionelle Immobilienmakler. Unsere Arbeitsweise zeigt damit sichtbare Erfolge. Also auch im Bereich der Festlegung eines optimalen Verkaufspreises.

jabamaro.de: Anfänglich waren Immobilienangebote auf der Website von imakler öffentlich einsehbar. Warum wurde dies wieder eingestellt?

Robert Koning: Unsere Angebote sind in den entsprechenden Medien, wie Zeitungen und führenden Immobilienportalen, zu finden. Trotzdem überlegen wir uns, die Angebote wieder öffentlich sichtbar zu machen.

jabamaro.de: imakler ist zwar in der Branche bekannt, aufgrund der Persönlichkeit Harald Blumenauers, und auch der stark polarisierenden Diskussionen. Wie wollen Sie imakler beim Verbraucher bekannt machen. Sucht man im Internet nach einem Immobilienmakler in einer bestimmten Region, sucht man vergeblich nach imakler. Als onlineaffiner Dienstleister müssten Sie
doch hier eine Marketingstrategie einsetzen, die Sie im WWW präsent macht?

Robert Koning: Wir wollen, dass unsere Kunden uns wegen der guten Leistung empfehlen. Das ist die beste Werbung und Ziel Nr.1. Danach kommt Werbung in Fernsehen, Zeitungen und Internet. Unser SEO (Suchmaschinenoptimierer) ist kontinuierlich am Optimieren, so dass wir nach einer gewissen Zeit besser gefunden werden. Wir bekommen aber bereits sehr viele Reaktionen über Suchmaschinen, werden also schon gefunden. Wir sollten außerdem nicht zu schnell wachsen, so können wir unseren Qualitäts- und Leistungsanspruch auf diesem hohen Niveau halten.

jabamaro.de: Warum sollte ein Immobilienverkäufer imakler beauftragen und nicht selbst einen Sachverständigen direkt beauftragen und anschließend sein Objekt in die einschlägigen Immobilienportale einstellen?

Robert Koning: Unsere Zielgruppe sind die, die eine Immobilie verkaufen und dabei einen professionellen Partner einschalten möchte. Es wird nach wie vor Verkäufer geben, die alles selbst organisieren. Ist auch o.k., wobei wir schon der Meinung sind, dass egal wer sie dann letztlich begleitet, eine Immobilie nicht so einfach zu verkaufen ist, wie es aussieht. Da ist schon eine sehr fundierte und zeitraubende Vorarbeit notwendig.

jabamaro.de: Ist Ihr natürlicher Feind der reale Makler? Sie bauen da ein ziemliches Feindbild auf?

Robert Koning: Wir haben sehr viele positive Reaktionen von Maklerkollegen, sogar Anfragen für eine mögliche Zusammenarbeit. Auch hatten wir das Haus eines Immobilienmaklers zum Verkaufen. Wenn ein Immobilienmakler seine Provisionsansprüche nicht mit Leistungen belegen kann, wird er höchstwahrscheinlich nicht hinter unserm Konzept stehen. Wir bieten eine gute Alternative und versuchen, die Maklerbranche mit Innovationen nach vorne zu bringen. Provisionshüter wird es immer geben, aber in der Regel wird sehr positiv auf unser Konzept reagiert. Das was die Öffentlichkeit natürlich zeigt, sind die negativen Reaktionen.

jabamaro.de: Denken Sie, dass die Erfahrungen aus den Niederlanden 1:1 nach Deutschland übertragbar sind?

Robert Koning: Nicht ganz. In Holland ist der Maklerberuf nicht so negativ behaftet wie hier in Deutschland. Trotzdem sehen wir die gleiche Tendenz. Dort haben wir es geschafft, die Provisionshöhe der Makler zu senken. Eventuell passiert das hier auch. Es gibt schon Kopien von iMakler, worüber wir uns sehr freuen. Es wird bald viele Anbieter geben mit einem vergleichbaren Angebot.

jabamaro.de: wie viele Aufträge oder Erfolge haben Sie schon verbuchen können?

Robert Koning: Eigentlich möchten wir es in Form einer Pressemeldung bekannt geben, aber eins kann ich sagen: es läuft bereits besser als in Holland. Von daher sieht es sehr positiv aus. Wir hatten bereits Immobilien, die seit über 1,5 Jahren auf dem Markt waren und innerhalb von 50 Tage verkauft wurden.

Herr Koning, vielen Dank für das Interview.


www.baldur.de

6 Kommentare

  1. Immobilienmakler: Neues Entlohnungsmodell schürt Konkurrenzkampf sagt

    am 22. Januar 2008 @ 20:04

    […] iMakler heißt das Unternehmen, das derzeit in der Immobilienmaklerbranche mit einem neuen Modell, das die herkömmliche Courtage ablösen soll, für Unmut sorgt. Ins Leben gerufen wurde iMakler von Harald Blumenauer, einem Branchenexperten mit über 40 Jahren Berufserfahrung. Dieser stellt die herkömmlichen Leistungsumfänge der Maklerbranche sowie vor allen Dingen die Courtage, die er in vielen Fällen im Verhältnis zur angebotenen Leistung als zu hoch empfindet, in Frage. […]

  2. Energieausweise, Erbschaftssteuer, Wohnriester — willkommen im Jahr 2008 sagt

    am 23. Januar 2008 @ 20:19

    […] im Jahr 2008 nicht anders als in den Jahren zuvor. Neben anderen Gruppen sind auch die Besitzer von Immobilien betroffen, für die sich im Jahr 2008 einiges ändert: die Erbschaftssteuer wurde […]

  3. Wagner sagt

    am 31. Januar 2008 @ 03:11

    Ich finde, es wird langsam auch Zeit für einen Wandel bei den Maklern: Mein Haus in Rendsburg wurde jetzt grad verkauft über die bieterverfahren24 GmbH, ein Immobilienmarketing-Unternehmen, das auch provisionsfrei arbeitet. Als Verkäufer habe ich für eine Leistung, die ein Makler in dem Umfang eigentlich nicht garantiert, nur knapp Tausend Euro gezahlt. Der Käufer hat durch Gebot im Bieterverfahren zugeschlagen und brauchte keine Gebühren oder Provisionen zu zahlen. Innerhalb von 9 Wochen war mein Haus verkauft.
    Ich finde das äußerst reell und kann dieses Villavendo-Modell nur weiterempfehlen.(www.villavendo.de oder http://www.bieterverfahren24.de)

  4. Ein Jahr imakler.de - das Fazit von Robert Koning sagt

    am 18. November 2008 @ 00:20

    […] hatten ja bereits vor einiger Zeit bei jabamaro.de das Thema “imakler” in einem Interview beleuchtet. Der damalige […]

  5. Stefan sagt

    am 18. Januar 2010 @ 19:39

    Ich kann absolut keine Empfehlung für dieses Geschäftsmodell aussprechen.
    Mir wurde bei imakler nach exakt einem Jahr gekündigt obwohl ich mich bezüglich des Verkaufspreis exakt an den Verkehrswert des Gutachters orientierte. Anfangs war der Verkaufspreis so gar genau der ermittelte Verkehrswert danach nur marginal drüber (2000 EUR!) da Kaufinteressenten nun mal gerne handeln und unter dem Verkehrswert wollte ich nicht verkaufen da ich ohnehin schon einen nicht unerheblichen Verlust in Kauf nehmen muss.

    Wie gesagt trotzdem wurde mir gekündigt und eine Dienstleistung für ein weiteres halbes Jahr angeboten, natürlich gegen eine weitere Zahlung. D.h. das Ganze hat mich für ein Jahr 995 EUR gekostet, sieht man mal von den Kosten für den Gutachter ab war das ein ziemliches kostspieliges Unterfangen. Ich werde zukünftig wieder die herkömmlichen Makler beauftragen und notfalls verkaufe ich privat bevor das Abzockermodell von imakler weiter unterstütze.

  6. Harry aus Süddeutschland sagt

    am 17. September 2010 @ 11:30

    Meinem Vorschreiber muss ich bestätigen, dass es sich um ein „Abzockermodell“ handelt. Der sog. Gutachter
    kreiert ein Gutachten, das fern jeder Realität ist, da
    er Grunddaten heranzieht, die absolut falsch sind, obwohl im die Baupläne und Berechnungen alle vorliegen.
    Am besten ist, sich in ein solches Fahrwasser nicht hinein zu begeben.

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