Harter Preiswettbewerb führt oftmals zu Mängeln am Bau

Auch wenn Deutschland im Vergleich zu internationalen Bauprojekten noch eine relativ weiße Weste vorweisen kann – was technische Standards am Bau betrifft ist Deutschland nach wie vor Spitzenreiter – macht sich auch hier zulande ein Preiskampf breit, der zu Mängeln bei der Qualität führt. Dass dieses Thema in den Fokus der Baubranche rückt, zeigt die kommende Messe „baufach“ vom 24. – 27. Oktober 2007 in Leipzig, die die Bauqualität in diversen Expertenrunden (www.leipziger-baugespraech.de) zur Diskussion stellt.


Harter Wettbewerbsdruck geht in vielen Fällen bereits jetzt zu Lasten der Qualität. Dies macht sich vor allem auf personeller Seite bemerkbar. Fundiert ausgebildete Bauchfachkräfte wie Bauingenieure werden oft durch ungenügend ausgebildete ausländische Arbeiter ersetzt, die zu Niedriglöhnen arbeiten. Expertenschätzungen zufolge hat sich bereits jetzt die Zahl der fachlich versierten Kräfte am Bau um die Hälfte reduziert.

Eine neue Studie der Dekra zeigt die Situation an konkreten Zahlenbeispielen: Im Vergleich zur letztmalig in 1995 durchgeführten Untersuchung ist die Zahl der Mängel an neu gebauten Wohnimmobilien um 27 Prozent gestiegen, im Schnitt handelt es sich um 21 Mängel pro Immobilie. Doch soll diesem Negativtrend bei Zeiten entgegen gewirkt werden. Kritisch beäugt wird momentan die Vergabemethodik im Baugewerbe. So soll es beispielsweise Neuerungen bei verdeckten Erstpreisauktionen geben, die zu extrem ausfallenden Angeboten führen. Ein Beispiel könnte die Bauindustrie in Italien sein, die folgendermaßen vorgeht: aus sämtlichen Angeboten wird ein Mittelwert gebildet. Dasjenige Angebot, welches im Rahmen dieses Mittelwerts am günstigsten ausfällt, erhält den Zuschlag. Zudem soll in Deutschland zukünftig schon vor der Vergabe eine bessere Qualitätsprüfung der Unternehmen in Form von nachweisbaren Referenzen durchgeführt werden.

Doch liegt die Schuld mit Sicherheit nicht nur auf Seiten der Bauherren, auch die Auftraggeber tragen ihr Scherflein dazu bei, wobei es keinen Unterschied macht, ob der Auftraggeber ein privates Unternehmen oder die öffentliche Hand ist. Hier fehlen häufig fachlich versierte Entscheidungsträger. Vielmehr setzten sich die Vergabekommissionen oft aus Juristen und Wirtschaftswissenschaftlern zusammen, denen logischerweise der fachliche Hintergrund eines Bauingenieurs fehlt.

Nichtsdestotrotz, Deutschland ist nach wie vor europäischer Spitzenreiter, was Wertigkeit und Abwicklung von Bauvorhaben angeht. Um dieses Niveau zu halten, wird es in Zukunft jedoch unumgänglich sein, die Qualität wieder in den Vordergrund zu rücken – auch wenn diese bekanntlich ihren Preis hat!

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www.baldur.de

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