Finanzierung von Großimmobilien in der Krise — Deutschland bleibt ungefährdet?

Einige Geschäfte rund um Großimmobilien im Wert von ca. 10 Milliarden Euro gestalten sich zurzeit schwierig. Laut Andreas Quint, dem Chef des Immobilienberatungsunternehmens Catella Property, stecken diese Projekte zwischen der Unterzeichnung des Vertrages und dem so genannten Closing fest.


Als „Closing“ werden die Zahlung des Kaufpreises und die darauf folgende Übertragung des Eigentums bezeichnet. Problematisch wird das Closing, da die Finanzierung der jeweiligen Großimmobilien bei Abschluss des Vertrages oftmals noch nicht abgesichert gewesen ist und potenzielle Investoren durch die so genannte Subprime-Krise verunsichert sind.

Der Subprime-Markt besteht vor allem aus Kreditnehmern, deren Bonität als gering eingestuft wird und die dennoch ein Hypothekendarlehen erhalten. Die Krise im Sommer 2007 entstand durch steigende Zinsen, die in den USA für solche Kredite zu zahlen waren, während gleichzeitig der Wert von Immobilien sank. Das alles schreckte potenzielle Investoren ab, weshalb auch oben genannte Großprojekte Schwierigkeiten bekamen.

Immobilienprojekte mit einem Beleihungsauslauf von 70 bis 80% sind inzwischen — so Quint — um 50 bis 80 Basispunkte, also um 0,5 bis 0,8 Prozent teurer geworden. Als Beleihungsauslauf bezeichnet man den Prozentsatz von Fremdkapital zur Finanzierung im Verhältnis zum Marktwert einer Immobilie. Wird etwa eine Immobilie mit Marktwert von 5 Millionen Euro unter anderem durch Fremdkapital (z.B. Kredite) von 4 Millionen Euro finanziert, so beträgt der Beleihungsauslauf: 4/5 * 100 = 80%.

In Deutschland ist eine derartige Krise wie in den USA nicht zu befürchten, so Walter Rasch, der Vorsitzende der BSI Bundesvereinigung Spitzenverbände der Immobilienwirtschaft und des BFW Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen. Er verweist darauf, dass Immobiliengeschäfte hierzulande mit einem Eigenkapital von durchschnittlich 30% finanziert werden und dass Kredite für Immobiliengeschäfte in Deutschland lange Laufzeiten und eine relativ lange Zinsbindung aufweisen. Dadurch werden Finanzierungsprobleme durch plötzliche Zinsschwankungen vermieden. Oftmals gab es Kritik aus dem Ausland wegen dieser deutschen Finanzierungspraxis. Die Subprime-Krise zeigt jedoch die Vorteile des Systems.


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1 Kommentar

  1. EXPO REAL 2008 sagt

    am 3. August 2008 @ 09:00

    […] Subprime-Krise wird sicherlich auch dieses Jahr die Diskussionen […]

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