Europas Immobilienmärkte: Spanien in der Krise, folgen weitere Länder auf dem Fuße?

Das Dilemma des amerikanischen Immobilienmarktes dürfte mittlerweile hinreichend bekannt sein: geplatzte Hypothekendarlehen, darauf aufgebaute Konsumkredite und sinkende Häuserpreise haben zu einer nie da gewesenen Situation auf dem US-Immobilienmarkt geführt. Nun scheinen auch einige europäische Länder in ernsthafte Schwierigkeiten zu geraten.


An erster Stelle zu nennen: Spanien. Geprägt war das südeuropäische Urlaubsland in den letzten Jahren durch einen absoluten Bauboom in den Küstenregionen und der Umgebung von Madrid. Wie Pilze schossen hier die Neubauten aus der Erde, nicht zuletzt auch durch konstant wachsende Preise für Wohnungen und Büroflächen, die sich in den letzten 10 Jahren verdoppelten. Mit zu diesem Trend trug auch die spanische Grundstimmung bei, Eigentum der Miete generell vorzuziehen, Miete ist hier schon fast mit einem negativen Beigeschmack versehen. Im vergangenen Jahr gab die durchschnittliche spanische Familie das Sechsfache ihres Jahreseinkommens für ein Eigenheim aus. Während wohlhabende Einwanderer und Touristen vor allen Dingen in den Küstenregionen die Preise hochtrieben, schürten auch die Kommunen den Bauboom, schließlich füllen Neubauten durch steuerliche Abgaben auf Grund und Boden die kommunalen Kassen.

Doch machen auch vor Spanien die steigenden Kreditzinsen und verschärften Kreditvergaberichtlinien im Zuge der US-Immobilienkrise nicht Halt. Da die meisten Kredite auf Basis einer variablen Verzinsung geschlossen wurden, sprich steigen die Zinsen, steigen auch die monatlichen Belastungen der Immobilienbesitzer, ließen die Konsequenzen nicht lange auf sich warten. Dieser Tage vermeldete die Bank of Spain einen Rückgang der Baugenehmigungen um 38 Prozent im Juli. Dementsprechend dürfte auch das spanische Wirtschaftswachstum, das zu 10 Prozent auf dem Immobilienmarkt fußte, einen Dämpfer erhalten.

Auch andere europäische Länder scheinen mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Sowohl Irland, Großbritannien als auch Frankreich melden fallende Häuserpreise.

Ob diese Länder Vorboten einer drohenden Immobilienkrise in Europa sind, ist zum momentanen Zeitpunkt trotz der Negativentwicklungen eher zweifelhaft. Die europäischen Aktienmärkte sind nach wie vor stabil und haben selbst nach der Krise in den USA nur eine kurzzeitige Verunsicherung erlebt.


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