Die Immobilienkrise in den USA – Sinkende Nachfrage, riskante Kreditpolitik und ihre Folgen weltweit

Die Immobilienkrise in den USA – Sinkende Nachfrage, riskante Kreditpolitik und ihre Folgen weltweit

Was als Immobilienkrise in den USA begann, hatte auch weit reichende Folgen für die Börsen in aller Welt und führte zu Kursabfällen auf sämtlichen internationalen Aktienmärkten. Die Investoren zogen sich verunsichert zurück, nachdem nicht nur der Ölpreis erneut anstieg, sondern sich auch die Situation auf dem amerikanischen Immobilienmarkt nochmals verschlechterte. Hier waren zwei Aspekte von entscheidender Bedeutung.

Sinkende Immobiliennachfrage als einer der Auslöser

Zum einen ging die Anzahl der Häuserkäufe rapide zurück und bewegt sich nun auf dem niedrigsten Niveau seit mehr als 10 Jahren. So wurden im Juni beispielsweise nur noch 834.000 neue Einfamilienhäuser verkauft, was im Vergleich zu 2005 einen Rückgang um 40 Prozent darstellt (Quelle: Welt Online, 02. August 2007). An dieser Stelle von entscheidender Bedeutung und unweigerlich mit der Krise verbunden ist, dass der Bauboom in den vergangenen Jahren nicht nur den nationalen Konsum anheizte, sondern auch für einen Aufwärtstrend auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt sorgte. Zahlreiche neue Arbeitsplätze in der Baubranche wurden geschaffen. Folglich sind auch von der Bauwirtschaft abhängige Unternehmen vermehrt von der allgemeinen Branchenschwäche betroffen. Zulieferer oder auch Transportunternehmen sehen ihre Felle schwimmen, große Immobilienentwickler, die zu Boomzeiten ganze Wohngebiete errichteten, drohen mit Arbeitsplatzabbau und müssen mit ansehen, wie ihre Aktienkurse teils um mehr als die Hälfte in den Keller fallen.


Sinkende Häuserpreise

Diese Entwicklungen haben zur Folge, dass auch die Häuserpreise in den USA stetig sinken. Zum einen gefährdet der Preisverfall diejenigen Hausbesitzer, die ihr Eigenheim ohne Eigenkapital finanziert haben – groß ist bei ihnen die Angst, dass sich die Kreditbedingungen in der Zukunft weiterhin verschlechtern könnten. Zum anderen bringt der Preisverfall diejenigen Bürger in Schwierigkeiten, die die vormals steigenden Preise für ihr Eigentum genutzt haben, um weitere Kredite (Konsumentendarlehen) aufzunehmen und sich jetzt mit dem Wertverfall ihrer einstmaligen „Sicherheit“ konfrontiert sehen.

 

Risiken im Kreditsektor

Schon jetzt haben viele Hausbesitzer Schwierigkeiten, ihre bestehenden Kredite zurückzuzahlen. Hier wurde in den vergangen Jahren eine riskante Politik seitens der Kreditgeber betrieben, der man jetzt Tribut zollen muss. An der Tagesordnung war die Kreditvergabe an Bürger ohne jegliches Eigenkapital, wie Pilze schossen variable Kreditangebote aus dem Boden, die die Kreditnehmer bei der nächsten Zinserhöhung in erhebliche Schwierigkeiten bringen dürften.

Experten sprechen von 8 Millionen Hauskäufern, die ihren Traum vom eigenen Heim auf diesem Fundament aufgebaut haben. Als sicher gilt, dass in naher Zukunft viele der Häuser zwangsläufig „unter den Hammer“ kommen. Fraglich ist jedoch, ob sich dann noch potenzielle Käufer finden lassen, denn auch die amerikanischen Kreditinstitute werden vorsichtiger. Die Zinsen steigen, Kreditnehmer ohne Eigenkapital werden zukünftig nur schwerlich Darlehen erhalten.

Wege aus der Krise

Die amerikanische Immobilienwirtschaft hat sich hier selbst in einen Kreislauf hereinmanövriert, der nur langsam zu durchbrechen ist. Aus Expertensicht kann der Krise nur Einhalt geboten werden, wenn die Zinsen auf lange Sicht wieder gesenkt werden, eine den Verhältnissen des Kreditnehmers angepasste Kreditpolitik erfolgt und der Immobilienmarkt so eine Belebung erfährt. Wichtig ist, den Häusermarkt anzukurbeln und hiermit verbunden, den Konsum- als auch den Arbeitsmarkt weiter stabil zu halten. Dann wird auf Dauer auch die Situation auf dem US-Immobilienmarkt entschärft werden, wovon schlussendlich auch die internationalen Aktienbörsen profitieren werden.

Sifo, 19.08.07


www.baldur.de

12 Kommentare

  1. Philipp aus Hamburg sagt

    am 20. August 2007 @ 18:11

    Niedrige Zinsen haben erst zu dem Problem geführt und sind somit kein „Weg aus der Krise“. Es konnten sich mehr Menschen mit schlechterer Bonität die Rate für ein vollfinanziertes Haus leisten. In Amerika gibt es in der Regel keine langjährige Zinsbindung. Deshalb wird die bessere laufende Wirtschaft mit steigenden Zinsen für Menschen mit schlechterer Bonität zum Problem – indem die monatlichen Raten steigen und sich die Hausbesitzer diese nicht mehr leisten können.

    Darüber hinaus hat Amerika ein Teil des Risikos exportiert – durch Verkauf von verbrieften Hypotheken in Form von Anleihen an spekulative Investoren spekulative Anleger aus dem Ausland wie IKB etc.

  2. mk sagt

    am 20. August 2007 @ 18:23

    ja völlig richtig! Es ist jedoch weltweit zu beobachten, dass insbesondere die Banken und die Immobilienerwerber in konjunkturstarken Zeiten, in denen anfänglich die Zinsen niedrig sind, überschnappen und scheinbar annehmen, dass es immer so weiter geht. Zwangsläufig werden Immobilien irgendwann knapp und teuer und damit die Kapitaldienste nicht mehr bedienbar. Die Securitisation trägt natürlich durch spekulative Momente zum weltweiten Hyposchnupfen bei.

  3. USA, Häuserpreise sinken, Rezession, Konsumkredite sagt

    am 27. August 2007 @ 17:58

    […] Donnerstag könnte es zur Gewissheit werden, wenn die Zahlen der US-Regierung zum Häusermarkt veröffentlicht werden: Wie die Forschungsgruppe Global Insight vermutet, werden die […]

  4. Immobilienkrise zwingt Sachsen LB zur Aufgabe der Selbständigkeit | Immobilienmarkt & Immobilienbewertung - Die Webressource für Immobilienprofis sagt

    am 27. August 2007 @ 18:00

    […] bei der Sachsen LB war der Auslöser des finanziellen Engpasses die Immobilienkrise in den USA. Der von der Tochtergesellschaft Sachsen LB Europe verwaltete Fond Ormond Quay war […]

  5. Talfahrt der Börsen in den USA und Japan – auch Deutschland betroffen | Immobilienmarkt & Immobilienbewertung - Die Webressource für Immobilienprofis sagt

    am 29. August 2007 @ 23:15

    […] Banken erheblich an Wert, nachdem massive Verluste in diesem Sektor aufgrund der US-Hypotheken und Immobilienkrise befürchtet werden. Damit verknüpfte Felder wie Rohstoff- und Bauaktien verloren ebenfalls […]

  6. Immobilien haben keinen Einfluss auf Konsumverhalten in Deutschland | Immobilienmarkt & Immobilienbewertung - Die Webressource für Immobilienprofis sagt

    am 25. September 2007 @ 12:55

    […] Hier trug bekanntlich das Zusammenspiel von Häuserpreisen, Hypotheken und Konsumkrediten zur Immobilien- und Kreditkrise bei. Zunächst steigende Häuserpreise wurden genutzt, um mit dem daraus erzielten Gewinn […]

  7. Immobilienkrise zieht nach wie vor ihre Kreise – auch in Deutschland | Immobilienmarkt & Immobilienbewertung - Die Webressource für Immobilienprofis sagt

    am 29. September 2007 @ 20:51

    […] das Handelsblatt gestern berichtete, beeinflusst die Immobilienkrise in den USA auch das Geschäftsklima in Deutschland zunehmend negativ. Der […]

  8. Hannoversche Leben startet neues Finanzierungsmodell für Immobilien | Immobilienmarkt & Immobilienbewertung - Die Webressource für Immobilienprofis sagt

    am 4. Oktober 2007 @ 12:25

    […] Der Zins des genehmigten Kredits wird dann für ein halbes Jahr festgelegt, das heißt bei Zinserhöhungen im genannten Zeitraum bleibt der vereinbarte Kreditrahmen erhalten. Sollten die Zinsen bis zum […]

  9. Online-Kredite » Blog Archive » Nun kommt die Kralle der US-Banken zum Vorschein sagt

    am 14. Mai 2008 @ 19:14

    […] auf dem Immobilienmarkt in den USA findet man in einem recht ausführlich erklärenden Artikel auf jabamaro.de. Es ist schön zu sehen, dass es im vergangenen Jahr nicht nur Schönfärberei gab, sondern dass […]

  10. Zweite Garage gemietet | Fahrtbier.de sagt

    am 10. Oktober 2008 @ 12:56

    […] nun Mal so ist, wurden entsprechende Maßnahmen schon im Sommer 2008 eingeleitet. Immobilien sind die sicherste Anlage überhaupt, wie es uns die Amerikaner gerade nachhaltig demonstriert haben. Vorausgesetzt, man kauft nicht auf […]

  11. Die Finanzkrise ist laut US-Geheimdienst zerstörerischer als der Terrorismus » Beitrag » Kredit und Finanzen sagt

    am 14. Februar 2009 @ 16:21

    […] Die Immobilienkrise, begonnen in den USA, ausgebreitet inzwischen über die ganze Welt, wuchs zu einer Krise der Finanzwirtschaft und dann zu einer Wirtschaftskrise heran. Daran knabbern die USA sehr. Denn: Seitdem werden die Karten in der Wirtschaftswelt neu gemischt. Und die USA sind nicht mehr die, welche noch an vorderster Front stehen. Das Vertrauen in das Land mit dem neuen Präsidenten wurde – dem Gewinnstreben der Banken und Produkten wie Subprime-Krediten bei der Immobilienfinanzierung oder Credit Default Swaps sei Dank – in den vergangenen Monaten sehr erschüttert, so durch den unaufhaltsamen Verfall der Immobilienpreise, den fast schon als Einbruch zu bezeichnenden Rückgang bei der Vergabe neuer Kredite – gleich ob als Ratenkredite oder als Kredite für Unternehmen – und den Billionen an vernichteten Werten an den Weltbörsen. Aber auch die Destabilisierung kleinerer Staaten durch die Krise ist für Dennis Blair eine große Gefahr. […]

  12. Finanznachrichten.info sagt

    am 25. August 2010 @ 10:55

    Finanzkrise noch nicht ausgestanden – Kommt die nächste Immobilienkrise?…

    Die Immobilienkrise in den USA war einer der Hauptgründe für den Ausbruch der Finanzkrise. Zu viele faule Kredite hatten die US-Banken in ihren Büchern stehen, Kredite an Geringverdiener und an viele Kreditnehmer, die nach einem starken Anziehen der Hy…

Komentar RSS