Deutschlands Einzelhandel — der Umsatz sinkt, die Stimmung steigt?

duesseldorf-sky.jpgIrgendwie ist das schon eigenartig mit Stimmungen; nicht immer lassen sie sich an konkreten Situationen und Zahlen festmachen. Wie das Wertermittlerportal des Bundesanzeiger Verlages berichtete, musste die Hälfte der innerhalb einer Studie befragten Einzelhändler…

in Deutschland im März 2008 (im Vergleich zum Vorjahresmonat) Umsatzeinbußen hinnehmen. Nur 20% der ostdeutschen und 28% der westdeutschen Händler berichteten dagegen von einer Steigerung des Umsatzes. Im April verbesserten sich die Umsätze dann aber doch für immerhin 37% aller Befragten; immer noch klagten jedoch 30% der Händler über Umsatzrückgänge. Ganz anders sehen die Zahlen aus, wenn man Stimmungen abfragt: 41% der befragten Händler beurteilten ihre Geschäftssituation positiv. Bei der Suche nach Gründen dafür kann man wohl nur mutmaßen.

Lands' End - All-Wetter Slipper der ExtraklasseIst der Konsument in guter Stimmung, freut sich der Einzelhändler. Schließlich hängt sein Schicksal entscheidend von der Kauflaune der Konsumenten ab. Dass sich das Kaufverhalten geändert haben könnte, wurde auch für Nicht-Experten spätestens deutlich, als sich der große Elektromarkt Saturn von seinem berühmt gewordenen „Geiz ist geil“ Slogan verabschiedete. Geiz schien keineswegs mehr geil zu sein, die Konjunktur machte Anstalten, sich nach oben zu bewegen, und es sah so aus, als würden die Kunden sich nicht mehr wie zuvor durch Kampfpreise locken lassen. Immerhin: Die Arbeitslosenzahlen sinken zurzeit. Im Mai 2008 lag die Arbeitslosenquote bei 7,8% und damit um 1,3 Prozentpunkte niedriger als noch im Mai 2007. Mehr Arbeitende = mehr Kaufkraft? Tatsächlich könnten solche Zahlen die Stimmung der Einzelhändler beeinflusst haben. Die relativ gute Stimmung mag neben einem Verdrängungswettbewerb, der den Einzelhandel fast schon zur Präsenz in den Toplagen der Städte zwingt, zur erhöhten Nachfrage nach derartigen Einzelhandels – Standorten geführt haben. Von einer Erhöhung dieser Nachfrage berichtet zumindest das auf Einzelhandels – Immobilien spezialisierte Beratungsunternehmen Kemper’s Jones Lang LaSalle Retail für das erste Quartal 2008.

Die Konsumenten sind jedoch insgesamt vorsichtiger, was Ausgaben betrifft, als es die Einzelhändler vielleicht gerne hätten. Angst vor Inflation angesichts steigender Preise tragen nicht unbedingt zur Konsumfreude der Verbraucher bei, so die GfK-Konsumklimastudie für Mai 2008. Da bleibt dann die Frage, ob sich die positive Stimmung der Einzelhändler — sollte sich die Stimmung der Konsumenten nicht verbessern — auf Dauer positiv bleibt. Auf Dauer bleiben nur Wenige gut gelaunt, wenn kein Anlass dazu besteht.


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1 Kommentar

  1. Tom sagt

    am 22. Juli 2008 @ 09:53

    Ob die Stimmung überhaupt noch steigt, wo jetzt auch noch der Wendepunkt am Arbeitsmarkt erreicht scheint, also wieder mehr Stellenabbau stattfindet, darf bezweifelt werden. Sieht nach einem richtigen Teufelskreis aus.

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